Jede binationale Familie muss sich wohl mindestens einmal im Jahr die Frage stellen, wo das wichtigste Familienfest des Jahres gefeiert werden soll. Für manche ist das Hanukkah, für andere Eid Al-Adha, für andere Holi und für wieder andere wie uns ist es Weihnachten. Nachdem unsere Tochter im vergangenen Jahr am Weihnachtsmorgen geboren wurde, kommt bei uns zudem noch die Entscheidung hinzu, wo wir Ihren Geburtstag feiern (übrigens, wenn ihr wissen wollt, ob es IRGENDETWAS Positives gibt an Weihnachten geboren zu sein, dann empfehle ich folgenden Post: 5 Vorteile an Weihnachten geboren zu sein).

Dieses Jahr entschieden wir uns dazu, Weihnachten in Paraguay zu verbringen, dem Heimatland meines Mannes. Es würde auch das erste Mal als Familie zu dritt sein.

Obwohl beide Länder im christlichen Glauben gründen, wird Weihnachten in Paraguay gänzlich anders gefeiert als wie ich es in Deutschland gewöhnt bin. Daher ist Weihnachten in Paraguay für mich immer etwas neues und sehr besonderes.

Vorbereitungen auf „Navidad“

Im November sind die Plätze, Einkaufszentren und Wohnungen bereits mit bunten Lichterketten für Weihnachten geschmückt. In der Vorweihnachtszeit im Dezember gehen die Menschen öffter in die Kirche, insbesondere während der neun Tage vor dem 8. Dezember (so genannte „novenario“ = neuntagige). Der 8. Dezember ist ein lokaler Feiertag, an dem die Jungfrau von Caacupe in ganz Paraguay geehrt wird.

Die Weihnachtszeit ist die Zeit in der Familie und Freunde zusammen kommen. In dieser Zeit besucht man sich gegenseitig und verbringt die Zeit zusammen. Meist ist der Besuch spontan und ohne (oder nur sehr kurzfristige) vorherige Ankündigung. Oft wird als Vorwand angegeben, dass man die heimische Krippe bestaunen möchte. Die Weihnachtskrippe ist etwas Essenzielles in jedem Haushalt und für den Hausherren (oder besser die Hausherrin) ist es wichtig, sie so schön wie möglich zu gestalten. Da Paraguay ein tropisches Land ist, wird die Krippe mit Palmzweigen und anderen tropischen Pflanzen geschmückt. Daher erinnert sie oft mehr an eine Hütte inmitten des Dschungels anstatt an Jerusalems trockenen Erde.

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Weihnachtskrippe in einem paraguayischen Haushalt

Diese spontanen Besuche unter Familienmitgliedern und Freunden sind ganz normal in Paraguay und representieren für mich die paraguayische Kultur. Irgendjemand aus der Familie wird immer da sein und irgendetwas gibt es immer im Kühlschrank, was man seinen Gästen anbieten kann. Da ich selbst aus einem Land komme, in dem Besuche meist sehr lange vorher ausgemacht und sehr sorgvoll geplant und vorbereiten werden (wie beispielsweise unsere Treffen zum Weihnachtsstollen-Essen im deutschen Teil der Familie), finde ich diese Art von Spontanität sehr entspannend.

Weihnachtsabend in Paraguay 

Weihnachten ist ein landesweiter Feiertag in Paraguay und so haben die Familien den Tag über Zeit, alles für die Heilige Nacht (Noche Buena) vorzubereiten. Und da meist die ganze Familie zusammen kommt, bedeutet dies eine Menge an Vorbereitung. Allein der „innere Kreis“ der Verwandschaft meines Mannes zählt beispielsweise bereits um die 50 Personen (in meiner deutschen Familie sind wir gerade mal fünf Personen an Weihnachten!).

Da Paraguay auf der Südhalbkugel liegt, ist es an Weihnachten Sommer und immer sehr heiß. Daher werden Stühle, Tische, Essen, oft auch der Fernseher oder das Radio unter den Mangobäumen im Garten gestellt. 

Paraguay ist ein sehr katholisch geprägtes Land und daher gehen die meisten Familien (mindestens) am Abend des 24. zur Heiligen Messe. Nach der Messe treffen sich alle Familienmitglieder im Hause eines Angehörigen (meist ist es das Elternhaus) und es wird zu Abend gegessen. 

Es gibt kein typisches Weihnachtsessen, jedoch wird in den meisten Familien ein Barbecue mit dem berühmten paraguayischen Rind gegessen. Zum Fleisch bringt jeder etwas zu Trinken, einen Salat, salziges Gebäck (beispielsweise „Sopa Paraguaya“, siehe Rezept unten) oder einen Nachtisch mit. Da es zu Weihnachten sehr heiß ist, werden kalte Getränke bevorzugt. Während heutzutage (sehr) kaltes Bier das beliebteste Getränk ist, stellt eine gekühlte Frucht-Bowle ein traditionelleres Getränk dar (im Falle, dass du in einem Land lebst, in dem es an Weihnachten kalt ist, empfehle ich das warme paraguayische Getränk cocido).

An Mitternacht wird der wichtigste Moment von Weihnachten gefeiert, die Geburt Jesu. In unserer Familie treten wir alle eng beisammen und beten gemeinsam. Meist ist es die ältere Generation (meist die Frauen), die das Gebet anleiten. Wir beten für Jesu’s Geburtstag, wir beten für den Weltfrieden und wir beten für unsere Familie und alle Familien auf der Welt. Dass wir immer zusammen bleiben und in Frieden miteinander sein mögen. 

Dann werden Feuerwerkskörper gezündet und die Kinder spielen bis spät im Garten und auf der Straße. Geschänke gibt es üblicherweise nicht und wenn, dann nur für die Kinder. 

Weihnachtsmorgen in Paraguay 

Am Morgen nach der Heiligen Nacht werden die Reste gegessen.  Nach und nach trifft die Familie wieder zusammen um aufzuräumen und zu Essen. Abends gehen die meisten wieder zur Messen, zu der ebenfalls oft Essensreste für die Armen gebracht werden. 

Weihnachtsessen in Paraguay 

Wie bereits erwähnt, gibt es kein „offizielles“ Weihnachtsessen und man isst am liebsten das, was man auch rund um’s Jahr hinweg am liebsten isst: Barbecue mit salzigem Gebäck/Auflauf. Einer dieser Aufläufe ist die sogenannte „Sopa Paraguaya“ (paraguayische Suppe). 

Paraguayisches Weihnachtsessen: Sopa Paraguaya 

Der Legende nach besuchte einst eine wichtige Person ein nobles Haus in Paraguay. Die Küchenmagd sollte dem Gast eine leckere, nahrhafte Suppe zubereiten, welche ihm nach der langen Reise Kraft geben sollte. Leider wurde die Suppe zu dickflüssig. Also fügte die Magd mehr Maismehl hinzu und behauptete, dass es sich um eine traditionelle paraguayische Suppe handeln würde, ein salziger Auflauf. Seitdem ist dieser Maisauflauf eines der traditionellen Rezepte in Paraguay und wird zu vielen Mahlzeiten, insbesondere dem schmackhaften „asado“ (Spanisch für „Barbecue“), gegessen.

Sopa Paraguaya Rezept

Hier das Rezept

Zutaten:

  • 300 g Maismehl
  • 300 g Queso Paraguayo (spezieller Käse, der Mozarella gleicht, jedoch einen sehr viel intensiveren Geschmack hat) – wenn du keinen Queso Paraguayo hast, kannst du ihn mit Gouda ersetzen
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Teelöffel Olivenöl (alternativ kannst du auch 1 Teelöffel Sahne verwenden) 
  • 3 Eier
  • ½ Tasse Milch
  • 1 Teelöffel Backpulver
  • Salz

Zubereitung:
Schneide die Zwiebeln sehr fein. Wenn du einen Mixer hast, ist es am besten, du mixt alles sehr klein. Füge den Rest der Zutaten hinzu, ausgenommen das Eiweiß. Schlage das Eiweiß so lange, bis es steif wird. Dann rühre das Eiweißsteif unter den Rest.

Heize den Ofen auf 160 °C vor. Füge den Teig in eine Auflaufform und backe den Auflauf für 40 Minuten im Ofen bis die Sopa Paraguaya goldbraun ist.

Jetzt kannst du die Sopa Paraguaya servieren. Am besten zu einem grünen Salat oder (wie im Foto) zu einem Salat aus roten Bohnen. 

Falls du dich jetzt noch fragen solltest, wie wir am Ende den Geburtstag unserer Tochter planen, dann nur eines dazu: Wir werden ihn zweimal feiern. Erst eine Woche vorher, als „ofizielle“ Kinderfeier (fiesta infantil). Dann nochmal an ihrem tatsächlichen Geburtstag am 25. Dezember mit allen Familienmitgliedern und Kuchen. 

Christmas in Different Lands 2015 | Multicultural Kid Blogs

Welcome to our fourth annual Christmas in Different Lands series! This year each participating blogger will focus on a different country, sharing a traditional dish and more about Christmas in that country. For even more glimpses of global Christmas celebrations, see our series from previous years (20132014, and 2015), plus follow our Christmas board on Pinterest!

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